Am 16. Januar 2012 vor 650 Jahren sucht eine Sturmflut unsere Küste heim, die deren Verlauf nachhaltig veränderte und unzählige Menschenleben kostete.
Zeit sich zu erinnern.
Nichts hat die Küstenstreifen Schleswig-Holsteins nachhaltiger verändert als die Sturmfluten. Große Teile fruchtbaren Landes zwischen Sylt und Eiderstedt in Nordfriesland gingen unter. Aus zusammenhängenden Landteile wurden verstreute Inseln und Halligen. Die Insel Sylt ist zur Zeit am meisten bedroht. Aber selbst von der Ostsee mit einem weit geringeren Tidenhub geht eine beachtliche Gefahr aus.
Am 16. Januar 1362, vor 650 Jahren verändert die „Grote Mandränke“ oder „Mandrenke“ – die „Große Manntränke“ – den Küstenverlauf im heutigen Schleswig-Holstein für immer. Diese erste so genannte Flut war wohl die verheerendste des Mittelalters. 100.000 Menschen sollen wohl umgekommen sein. Die zweite Mandrenke fegte 1634 ganze Landstriche weg.
Von einer Sturmflut wird gesprochen, wenn der Tidenhöchststand das mittlere Tidenhochwasser um 1,50 Meter oder mehr übersteigt. Ab 2,50 Meter wird von einer schweren Sturmflut und ab 3,50 Meter wird von einer sehr schweren Sturmflut gesprochen. Sturmfluten treten verstärkt im Frühjahr und im Herbst auf. Die Deutsche Bucht ist nach Ansicht des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie eines der am stärksten von Sturmfluten bedrohten Gebiete weltweit. Bedingt durch die Geographie der Nordseeküste und den Trichtereffekt der Elbmündung tritt dieses Phänomen häufiger auf als anderswo.
Im Zuge einer möglichen globalen Erwärmung durch einen eventuellen verstärkten Treibhauseffekt wird allerdings von einigen Wissenschaftlern mit einer Erhöhung der Sturmflutgefahren durch drei Effekte gerechnet: Erhöhte Sturmwahrscheinlichkeit, Erhöhung der Sturmintensitäten und genereller Anstieg des Meeresspiegels. Eine Änderung in Anzahl oder Höhe der Sturmfluten konnte bislang allerdings nicht nachgewiesen werden. Die Scheitelhöhen der Sturmfluten in der Nordsee seit 1901 weisen keinen nennenswerten Anstieg auf. Die Anzahl der Sturmfluten hat lediglich im Bereich der niedrigen Sturmfluten etwas zugenommen.
Zu den genauen Höchstwasserständen gibt es erst seit 1840 genauere Aufzeichnungen, davor bemaß sich die Schwere einer Sturmflut nach den angerichteten Schäden.
Im Verhältnis zur Deichhöhe – und die betrug anders als heute im 14. Jahrhundert nur etwa 2,50 Meter, war deshalb die erste Mandränke die schwerste Flut, die die schleswig-holsteinische Nordseeküste je traf, die Insel Strand entstand und Rungholt versank damals.
Rungholt: Jahrhunderte eine Legende. Einziges deutsches Zeugnis war ein Testament aus dem Jahr 1345, aber wo lag diese sagenhafte Stadt genau. 1921 und 1938 wurden die ersten Teile des Hafens freigespült , jetzt gibt das Meer wieder mehr Einzelheiten preis und spült weitere Anlagen wieder frei. Und aufschlussreiche Aufzeichnungen haben sich auch angefunden. Rungholt, seinerzeit eine Stadt von der Größe, die mit Kiel vergleichbar war, durch Torfsalzabbau wahrscheinlich zu großem Reichtum gekommen, war erbaut auf einer Torflinse und gehörte zu Dänemark, deshalb fanden sich auch dazu Aufzeichnungen erst in Kopenhagen.
Die Opfer der Sturmfluten von 1953 und 1962 waren Anlass für umfangreiche Küstenschutzmaßnahmen. Diese enormen Investitionen in den Küstenschutz, insbesondere durch Deichbau und Sperrwerke, haben dafür gesorgt, dass die jüngsten Sturmfluten weitaus weniger Schäden verursachten als frühere, niedrigere Sturmfluten.
So waren bei der Sturmflut 1962, bei der bis dahin höchsten gemessenen Flut mit 4,94m über N.N bei Cuxhaven, 340 Tote zu beklagen, 28.000 Wohnungen bzw. Häuser beschädigt, 1300 völlig zerstört. Mehr als 400km Deich wurde vernichtet oder erheblich beschädigt.
Die höchste gemessene Sturmflut 1976 mit 5,10 m über N.N bei Cuxhaven richtete dann trotzdem weniger Schäden an.
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Mehr zu diesem Thema erfährt und erlebt man in der Sturmflutenwelt Blanker Hans in Büsum (OC)
